Wer bekommt Weihnachtsgeld - und was sehen die Tarifverträge vor?

Lohnspiegel.de - Wer bekommt Weihnachtsgeld - und was sehen die Tarifverträge vor?

Rund 54 Prozent der Beschäftigten erhalten eine Jahressonderzahlung in Form eines Weihnachtsgeldes. Rund 15 Prozent bekommen eine Gewinnbeteiligung und 19 Prozent erhalten sonstige Sonderzahlungen. Zu diesem Ergebnis haben bei der Online-Umfrage des WSI-Tarifarchivs in der Hans-Böckler-Stiftung rund 10.100 Beschäftigte beigetragen. Die zwischen Juli 2013 und Juni 2014 erhobenen Umfragedaten zeigen: Die Chancen, ein Weihnachtsgeld zu erhalten, sind ungleich verteilt. Besonders groß ist demnach der Vorsprung zwischen Beschäftigten, die nach Tarifvertrag bezahlt werden, gegenüber Beschäftigten in Unternehmen ohne Tarifbindung.

Weihnachtsgeld 2014

Hier die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

West/Ost: Nach wie vor gibt es Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Im Westen bekommen 57 Prozent Weihnachtsgeld, im Osten lediglich 40 Prozent der Beschäftigten.

Männer und Frauen: 51 Prozent der Frauen erhalten Weihnachtsgeld, bei den Männern sind es mehr: 56 Prozent.

Unbefristet und befristet Beschäftigte: 56 Prozent der unbefristet Beschäftigten, aber nur 42 Prozent der befristet Beschäftigten bekommen ein Weihnachtsgeld.

Vollzeit und Teilzeit: 55 Prozent der Vollzeitbeschäftigten, aber nur 42 Prozent der Teilzeitbeschäftigten erhalten ein Weihnachtsgeld.

Tarifbindung: Ist der Arbeitgeber an einen Tarifvertrag gebunden, profitieren die Beschäftigten: 71 Prozent von ihnen erhalten ein Weihnachtsgeld, bei den Beschäftigten ohne Tarifbindung sind es dagegen nur 42 Prozent.

Gewerkschaftsmitglieder: Wer einer Gewerkschaft angehört, hat höhere Chancen auf ein Weihnachtsgeld: 66 Prozent der Mitglieder erhalten es, bei den Nichtmitgliedern sind es nur 51 Prozent.

Grundsätzlich sehen in den meisten Wirtschaftszweigen die geltenden Tarifverträge ein Weihnachtsgeld vor, so das WSI-Tarifarchiv. Es wird überwiegend als fester Prozentsatz des Monatseinkommens berechnet. Diese Prozentsätze haben sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert.

Wo es in diesem Jahr höhere Tarifabschlüsse gab, steigen auch die tariflichen Weihnachtsgelder stärker. Die Spanne reicht von plus 1,8 Prozent in der Energiewirtschaft Ost (AVEU) über 2,4 Prozent im Bankgewerbe und 3,0 Prozent in der Druckindustrie bis zu 3,5 Prozent im öffentlichen Dienst (Gemeinden) und 4,5 Prozent in der Kautschukindustrie Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland.

In der Chemischen Industrie Ostdeutschlands wurde das Weihnachtsgeld von 65 auf 80 Prozent eines Monatsentgelts angehoben, also um fast 28 Prozent. In der Metallindustrie Sachsen ist beim Weihnachstgeld inzwischen das Westniveau erreicht; dies entspricht einem Anstieg um rund 13 Prozent.

Ein im Vergleich relativ hohes Weihnachtsgeld erhalten unter anderem die Beschäftigten im Bankgewerbe, in der Süßwarenindustrie, in der westdeutschen Chemieindustrie sowie in der Druckindustrie (95 bis 100 Prozent eines Monatseinkommens). Darunter liegen unter anderem die Bereiche Versicherungen (80 Prozent), Einzelhandel (West, 62,5 Prozent) sowie Metallindustrie (West und Sachsen, 55 Prozent). Im öffentlichen Dienst (Gemeinden, West) beträgt die Jahressonderzahlung je nach Vergütungsgruppe zwischen 60 und 90 Prozent. In vielen Bereichen haben die Beschäftigten in den neuen Ländern mittlerweile gleichgezogen.

Weniger als ihre Kolleg/innen im Westen erhalten die Ost-Beschäftigten zum Beispiel in den Bereichen Chemie (80 Prozent) und Öffentlicher Dienst (Gemeinden, 45 bis 67,5 Prozent). Kein Weihnachtsgeld erhalten unter anderem die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe Ost und im Gebäudereinigerhandwerk.

Für Beamtinnen und Beamte bestehen für die Sonderzahlung im Rahmen der Besoldung jeweils gesonderte gesetzliche Regelungen für den Bund und die einzelnen Bundesländer.

Pressedienst des WSI-Tarifarchivs vom 3. November 2014 (PDF, 184 KB)

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