Wer bekommt Weihnachtsgeld - und was sehen die Tarifverträge vor?

Lohnspiegel.de - Wer bekommt Weihnachtsgeld - und was sehen die Tarifverträge vor?

Rund 54 Prozent der Beschäftigten erhalten eine Jahressonderzahlung in Form eines Weihnachtsgeldes. Rund 17 Prozent bekommen eine Gewinnbeteiligung und 21 Prozent erhalten sonstige Sonderzahlungen. Zu diesem Ergebnis haben bei der Online-Umfrage des WSI-Tarifarchivs in der Hans-Böckler-Stiftung rund 15.000 Beschäftigte beigetragen. Die zwischen Juli 2012 und August 2013 erhobenen Umfragedaten zeigen: Die Chancen, ein Weihnachtsgeld zu erhalten, sind ungleich verteilt.

Weihnachtsgeld 2013

Hier die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

West/Ost: Nach wie vor gibt es Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Im Westen bekommen 58 Prozent Weihnachtsgeld, im Osten lediglich 39 Prozent der Beschäftigten.

Männer und Frauen: 51 Prozent der Frauen erhalten Weihnachtsgeld, bei den Männern sind es mehr: 57 Prozent.

Unbefristet und befristet Beschäftigte: 56 Prozent der unbefristet Beschäftigten, aber nur 45 Prozent der befristet Beschäftigten bekommen ein Weihnachtsgeld.

Tarifbindung: Ist der Arbeitgeber an einen Tarifvertrag gebunden, profitieren die Beschäftigten: 71 Prozent von ihnen erhalten ein Weihnachtsgeld, bei den Beschäftigten ohne Tarifbindung sind es dagegen nur 41 Prozent.

Gewerkschaftsmitglieder: Wer einer Gewerkschaft angehört, hat höhere Chancen auf ein Weihnachtsgeld: 64 Prozent der Mitglieder erhalten es, bei den Nichtmitgliedern sind es nur 52 Prozent.

Grundsätzlich sehen in den meisten Wirtschaftszweigen die geltenden Tarifverträge ein Weihnachtsgeld vor, so das WSI-Tarifarchiv. Es wird überwiegend als fester Prozentsatz des Monatseinkommens berechnet. Diese Prozentsätze haben sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert.

Wo es in diesem Jahr höhere Tarifabschlüsse gab, steigen auch die tariflichen Weihnachtsgelder stärker. Die Spanne reicht von plus 2,5 Prozent im Bankgewerbe über 2,8 Prozent im öffentlichen Dienst der Gemeinden und 3,0 Prozent unter anderem in der Textilindustrie, in der Holz-, Kunststoff- und Papierverarbeitung sowie 3,2 Prozent im Versicherungsgewerbe und im westdeutschen Bauhauptgewerbe bis zu 3,4 Prozent in der Metallindustrie. In einer reihe von Branchen bleiben die Beträge dagegen unverändert.

Ein im Vergleich prozentual hohes Weihnachtsgeld erhalten unter anderem die Beschäftigten im Bankgewerbe, in der Süßwarenindustrie, in der westdeutschen Chemieindustrie sowie in der Druckindustrie (95 bis 100 Prozent eines Monatseinkommens). Darunter liegen unter anderem die Bereiche Versicherungen (80 Prozent), Einzelhandel (West, 62,5 Prozent) sowie Metallindustrie (West, 55 Prozent). Im öffentlichen Dienst (Gemeinden, West) beträgt das Weihnachtsgeld je nach Vergütungsgruppe zwischen 60 und 90 Prozent. In vielen Bereichen haben die Beschäftigten in den neuen Ländern mittlerweile gleichgezogen.

Weniger als ihre Kolleg/innen im Westen erhalten die Ost-Beschäftigten zum Beispiel in den Bereichen Chemie (65 Prozent), Öffentlicher Dienst (Gemeinden, 45 bis 67,5 Prozent) und Metallindustrie (50 Prozent). Kein Weihnachtsgeld erhalten unter anderem die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe Ost und im Gebäudereinigerhandwerk.

In absoluten Euro-Beträgen reicht das Weihnachtsgeld für die mittlere Vergütungsgruppe in Westdeutschland von 250 Euro für die Arbeiter/innen in der bayerischen Landwirtschaft über 1.501 Euro für die Arbeiter/innen im westdeutschen Bauhauptgewerbe bis zu 2.994 Euro für die Arbeitnehmer/innen in der nordrhein-westfälischen Energieversorgung. In Ostdeutschland fallen die Beträge in den meisten Tarifgebieten niedriger aus.

Für Beamtinnen und Beamte bestehen für die Sonderzahlung im Rahmen der Besoldung jeweils gesonderte gesetzliche Regelungen für den Bund und die einzelnen Bundesländer. Zum Teil wurde hier die Sonderzahlung vor einigen Jahren in die laufende monatliche Besoldung integriert.

Pressedienst des WSI-Tarifarchivs vom 30. Oktober 2012 (PDF, 114 KB)

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